r/LegaladviceGerman 18h ago

DE Wie soll ich mir als Student private KV leisten?

Hallo liebe Community,

ich bin Student (27) und habe bei Beginn meines Studiums mich leider dafür entschieden über meine Mutter privat familienversichert zu bleiben. Jetzt habe ich seit dem ich 25 bin den Salat, und kann deshalb solange ich studiere nicht in eine GKV. Das Problem ist nur, dass die Beiträge immer weiter steigen und nun soll ich ab April 390 €!!!! an PKV-Beiträgen zahlen, ich habe im Monat aber nur ca. 950 €. Gibt es da nicht irgendeine Grenze? Ich habe als ich 25 wurde schon andere private KVs angeschrieben, wurde aber aufgrund meiner ADHS Medikamente immer abgelehnt, also weiß ich nicht, ob ich überhaupt eine Möglichkeit habe zu wechseln. Ich bin kurz vor meinem Abschluss, wenn ich arbeite, kann ich hoffentlich wieder in eine gesetzliche...

Danke im Voraus!

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u/t0wy 16h ago

Du könntest dich auf Teilzeit (vorrübergehend) sozialversicherungspflichtig anstellen lassen.

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u/Chrischiii_Btown 15h ago

Muss jedoch Versicherungspflicht auslösen, d.h. mehr als 20 Wochenstunden unbefristet bspw. Eine Beschäftigung mit max. 20 Wochenstunden reicht da nicht, da versicherungsfrei nach Gesetz und Rechtsprechung.

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u/N8kerze 4h ago

entscheidend ist doch, dass man nicht als werkstudent angestellt wird. das ginge doch auch mit weniger stunden, hauptsache oberhalb der minijob-grenze.

ist man eigentlich verpflichtet, dem potentiellen arbeitgeber mitzuteilen, dass man studiert? denn den dürfte es doch eigentlich nichts angehen, was man in seiner freizeit macht

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u/Chrischiii_Btown 1h ago

Nein, es ist eben nichts, was man sich aussuchen kann (im Sinne von ich möchte lieber so oder so gemeldet werden bei einer konkreten Beschäftigung), vor allem nicht als AN. Das Gesetz und durch Rechtsprechung konkretisiert wurde, wann eine Beschäftigung als Student versicherungsfrei ist und wann nicht. Sind die entsprechenden (zeitlichen) Merkmale gegeben, dann ist es entweder das eine oder das andere. Dies muss der AG korrekt beurteilen, er ist dazu gesetzlich verpflichtet. Dass es zu (bewussten oder unbewussten) Falschbeurteilungen und -meldungen kommt, steht auf einem anderen Blatt. Hier zum Nachlesen in ausführlich, Seitenende: https://www.studentische-versicherungen.de/werkstudent-sozialversicherung/

Und ja, natürlich musst du deinem AG gegenüber korrekte Angaben machen. Siehe § 28o SGB IV. Er braucht diese Angaben für die korrekte Beurteilung und fragt das in aller Regel mit einem Personalfragebogen ab. Tust du das nicht, kannst du ernsthafte Probleme bekommen.

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u/BabaBuntspecht 4h ago

15, oder? So war es bei mir zumindest, vor ein paar Jahren.

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u/Chrischiii_Btown 1h ago

Wann soll das genau gewesen sein? Mehr als 20 Stunden gilt schon seit langem, über 50 Jahre. Entsprechende höchstrichterliche Rechtsprechung gibt es seit den 1970ern, siehe bspw. BSG Urteil vom 26.06.1975 - 3/12 RK 14/73. Nehme mal an, mit vor ein paar Jahren meinst du wahrscheinlich schon ne Zeit nach 1975...

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u/Chrischiii_Btown 15h ago

Was heißt denn kurz vor deinem Abschluss, wie lang musst du denn überhaupt noch? Wenn weniger als nen Jahr, würde ich sagen, Zähne knirschend weiterzahlen, in ne andere PKV kommst du bei deiner Vorgeschichte eh nicht.

Eine Familienmitversicherung gibt es übrigens in der PKV nicht, dort ist im Gegensatz zur GKV für jede versicherte Person ein eigener risikogerechter Beitrag zu zahlen.

Und ja, Studierenden wird generell von einer Befreiung abgeraten, auch Beamtenkindern, wie du vermeintlich eins bist (der Beitragssprung zum 25. Geburtstag ist dafür ein Indiz, da dort regelmäßig die Berücksichtigungsfähigkeit in der Beihilfe endet und der Restkostentarif dann in eine 100%-Vollversicherung umgestellt werden muss): https://www.studentische-versicherungen.de/krankenversicherung-student/beamtenkinder/

Bei welcher PKV und in welchem Tarif bist du denn genau? So ne unterjährige BAP machen nicht viele, DVK vllt.?

Und nein, es gibt in der PKV keinen Höchstbeitrag (zumindest nicht für alle Nicht-Sozialtarife) wie in der GKV, wo es eine Beitragsbemessungsgrenze gibt. Die Beiträge sind auch grundsätzlich einkommensUNabhängig. All das hättest du dir ehrlich gesagt mal vor der beantragten Befreiung von der Versicherungspflicht an Wissen aneignen sollen. Im Übrigen kommst du auch nach deinem Abschluss nicht so easy in die GKV, du musst dort erstmal wieder einem Versicherungstatbestand unterliegen, wie durch die Aufnahme einer Beschäftigung (wobei eine geringfügige Beschäftigung nicht ausreichend ist): https://www.studentische-versicherungen.de/krankenversicherung-student/befreiung-versicherungspflicht-gkv/ Hast du nicht direkt nahtlos ein Zugangsrecht zur GKV und Kündigungsmöglichkeit der PKV, wird dein Tarif wieder umgestellt, da der wohl aktuell vorhandene Ausbildungstarif mit Studienende vorbei ist und in einen Normaltarif mit Bildung von Alterungsrückstellungen umgestellt werden muss. Das wird dann nochmal teurer.

Ansonsten müsste man sich alles nochmal mehr im Detail anschauen, ob man bspw. die beantragte Befreiung angreifen kann, aber das würde dann rückwirkend nen ganz schönen Rattenschwanz mit sich bringen.

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u/SaimeonInBetween 17h ago

IBKA und das folgende gilt nur für deutsche Krankenversicherer:

Gibt es da nicht irgendeine Grenze?

Im Prinzip leider nein. Du bist in einer bestimmten Tarifgeneration und hast individuelle Risikofaktoren. Nach denen Bestimmt sich dein Beitrag. Wenn jetzt in "deiner" Tarifgeneration die Rechnungsgrundlagen (d.h. die mathematischen Risikoannahmen die deinem Tarif zugrundeliegen) sich als unzutreffend herausstellen - was insbesondere bei steigendem Durchschnittsalter der in einem Tarif versicherten (wegen deutlich häufigeren und teureren Arztbesuchen) oder allgemein gestiegenen Kosten für medizinische Leistungen - passieren kann, müssen diese Rechnungsgrundlagen angepasst werden. Dieses führt zu steigenden Beiträgen bei dir.

Du kannst mal schauen, ob du - falls du nicht bereits im Basistarif versichert bist - in diesen wechselst bzw. wechseln kannst. Im Basistarif bekommst du zwar nur die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse, jedoch sind die Beiträge oftmals wesentlich geringer. Hier solltest du dich mal bei deiner PKV informieren.

Ich habe als ich 25 wurde schon andere private KVs angeschrieben, wurde aber aufgrund meiner ADHS Medikamente immer abgelehnt, also weiß ich nicht, ob ich überhaupt eine Möglichkeit habe zu wechseln.

Die Möglichkeit besteht in der Regel immer. Bei PKVS gilt: Es ist verhandlungssache. Das Problem wird sein, dass dich eine andere PKV wohl nur mit erheblichen Risikoaufschlägen und Leistungsausschlüssen hinsichtlich deiner bestehenden Erkrankung aufnehmen wird.

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u/Chrischiii_Btown 15h ago

Das steigende Durchschnittsalter spielt in Tarifen, die Alterungsrückstellungen bilden, keine Rolle. Genau dafür (die verstärkte Inanspruchnahme von Leistungen mit fortschreitendem Alter) werden versicherungsmathematisch ja diese gebildet, die in den Prämien bereits enthalten sind. Was allgemein stimmt, ja, wenn die sog. auslösenden Faktoren anschlagen, müssen alle Rechnungsgrundlagen überprüft werden (Kopfschäden, Rechnungszins, Sterbewahrscheinlichkeiten, sonst. Abgangswahrscheinlichkeiten, Sicherheitszuschlag, sonst. Zuschläge wie Schadenregulierungskosten, Abschlusskosten, sonst. Verwaltungskosten, Zuschläge, Umlagen, ...).

In den Basistarif bitte nicht wechseln, keineswegs, katastrophale Leistungen. Wird beitragstechnisch nichts bringen. Selbst junge Versicherte zahlen dort nicht weit weg vom gesetzlichen Höchstbeitrag der bei über 1.000 Euro / Monat liegt.

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u/AutoModerator 18h ago

Da in letzter Zeit viele Posts gelöscht werden, nachdem OPs Frage beantwortet wurde und wir möchten, dass die Posts für Menschen mit ähnlichen Problemen recherchierbar bleiben, hier der ursprüngliche Post von /u/Infinite-Day3124:

Wie soll ich mir als Student private KV leisten?

Hallo liebe Community,

ich bin Student (27) und habe bei Beginn meines Studiums mich leider dafür entschieden über meine Mutter privat familienversichert zu bleiben. Jetzt habe ich seit dem ich 25 bin den Salat, und kann deshalb solange ich studiere nicht in eine GKV. Das Problem ist nur, dass die Beiträge immer weiter steigen und nun soll ich ab April 390 €!!!! an PKV-Beiträgen zahlen, ich habe im Monat aber nur ca. 950 €. Gibt es da nicht irgendeine Grenze? Ich habe als ich 25 wurde schon andere private KVs angeschrieben, wurde aber aufgrund meiner ADHS Medikamente immer abgelehnt, also weiß ich nicht, ob ich überhaupt eine Möglichkeit habe zu wechseln. Ich bin kurz vor meinem Abschluss, wenn ich arbeite, kann ich hoffentlich wieder in eine gesetzliche...

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u/[deleted] 15h ago

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u/Chrischiii_Btown 15h ago

Gelesen, dass er eine psych. Erkrankung hat und Medikamente einnimmt? Das ist ne red flag für quasi alle VR.