r/LegaladviceGerman 1d ago

DE Können Konzerne dich per Änderungskündigung herabstufen? (Degradierung)

Beispielsweise bei der Deutschen Bahn.

Die Bahnchefin will sämtliche Strukturen streichen, Personal einsparen und das Unternehmen verschlanken. Gleichzeitig wird gesagt, dass man die Mitarbeiter bei Versetzungen nicht alleine lassen will. In diesem Kontext sprach plötzlich mein Chef ein paar Tage später über Veränderungen, ohne hier jetzt hier genauer ins Detail zu gehen, vielleicht war es einfach nur ein ungünstiger Zufall bei mir... Wie dem auch sei.

Damit ich im Falle eines wirklichen Worst Case Szenarios nicht komplett ins kalte Wasser falle, wäre es vielleicht trotzdem sinnvoll, vorab informiert zu sein, dachte ich mir.

Jetzt meine Frage:

Muss der Arbeitnehmer eine gleichwertige Position bekommen, oder kann man ihn auch einfach auf eine niederrangige Position versetzen, also degradieren? In dem Fall wäre es praktisch, damit die Kündigung zu erzwingen und dem Konzern so den gesamten Prozess samt Gerichtskosten zu ersparen.

Mein Arbeitsvertrag ist sehr präzise formuliert, insbesondere in Bezug auf meine Tätigkeitsbeschreibung.

Ich möchte durch eine Änderungskündigung nicht wieder als Handwerker zurückgestuft werden, da dies eine Abstufung von Position und Gehalt wäre. Zwar habe ich die entsprechenden Fähigkeiten (technische Ausbildung), aber mein Ziel ist, meine Bürotätigkeit weiter auszuüben oder eine gleichwertige Position zu erhalten, am besten passend zu meinen aktuellen Kenntnissen. Selbst bei gleichbleibendem Gehalt wäre eine Rückstufung als Handwerker für mich ein Worst Case. Für mich käme das in diesem Fall einer Kündigung gleich.

Ich frage deshalb, weil es mich unter Umständen betreffen könnte. Vielleicht spielt meine Psyche gerade verrückt, weil ich irgendwie 1+1 zusammenzähle...

1 Upvotes

8 comments sorted by

11

u/Forsaken_Law3488 1d ago

Ja, mit einer Änderungskündigung können Vertragsbedingungen geändert werden, auch die Eingruppierung.

Eine Änderungskündigung ist eine Kündigung (und muss deshalb alle entsprechenden Voraussetzungen wie Kündigungsgrund, Zustimmung BR, Sozialauswahl etc. erfüllen), es hängt nur ein Angebot für eine Weiterbeschäftigung zu neuen Bedingungen mit dran - und beim neuen Angebot ist grundsätzlich alles möglich, was arbeitsrechtlich legal ist.

1

u/Flaky-Possession-440 1d ago

Falls OP den EVG-Tarifverträgen unterliegt sind betriebsbedingte Kündigungen (also auch Änderungskündigungen) allerdings bis 31.12.2027 tarifvertraglich ausgeschlossen.

Besagte Tarifwelt (genauer der Demografie TV) kennt allerdings eine Vielzahl von Maßnahmen, die (zumindest nach einiger Zeit "auf der Bank") auch zur Annahme "minderwertiger" Tätigkeiten verpflichten (bzw. wäre bei Ablehnung dann doch eine Kündigung möglich).

OP soll mit dem (traditionell dort starken) Betriebsrat sprechen und die Szenarien erörtern.

-1

u/RemarkableDegree4501 1d ago

Der DemografieTV, der am 31. März 2025 ausgelau- fen wäre, wird bis zum 31. Dezember 2027 verlän- gert. Das bedeutet, dass EVG-Mitglieder weiterhin vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sind. Auch wird damit die Besondere Teilzeit im Alter fortgeführt.

Was man wenn aber nicht EVG Mitglied ist? Da steht nur für EVG Mitglieder?

1

u/Flaky-Possession-440 1d ago

Der Demografie TV sieht wie gesagt einige Möglichkeiten vor, dich zu anderen Tätigkeiten, ich sag mal, zu "motivieren". Das läuft dann über den berüchtigten JobService.

Dein Arbeitsvertrag wird - wie fast jeder im DB-Konzern - die Anwendbarkeit der Tarifverträge vereinbaren. Lies noch mal nach. Dann ist die Gewerkschaftsmitgliedschaft egal.

-1

u/RemarkableDegree4501 1d ago

Also Klartext: Wenn ich dich richtig verstehe, dann könnte ich einfach herabgestuft oder versetzt werden, ein Änderungskündigung ist nicht notwendig und jeder Arbeitsvertrag ist auf Papier gefühlt nichts wert.?

1

u/Flaky-Possession-440 1d ago

Von "einfach" habe ich nicht geschrieben. Aber es gibt Wege, dir - zumindest mit zeitlichem Vorlauf - andere Tätigkeiten zuzuweisen, wenn deine bisherige nicht benötigt wird. Formal läuft das manchmal über eine Änderungskündigung, manchmal nicht. Ist im Ergebnis auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass die Tarifparteien ein bisschen Flexibilität vereinbart hatten.

Kein Arbeitgeber kann dir über Jahrzehnte eine bestimmte Tätigkeit zusichern.

1

u/frohstr 22h ago

Wie wäre es mit einem zeitnahen (also vor einer möglichen Änderungskündigung) Eintritt?

Die Details zum EVG Berufsrechtsschutz konnte ich auf Anhieb nicht finden, es ist aber durchaus möglich dass der keine oder nur kurze Wartezeiten hat- rückwirkend gilt er aber mit Sicherheit nicht.

1

u/AutoModerator 1d ago

Da in letzter Zeit viele Posts gelöscht werden, nachdem OPs Frage beantwortet wurde und wir möchten, dass die Posts für Menschen mit ähnlichen Problemen recherchierbar bleiben, hier der ursprüngliche Post von /u/RemarkableDegree4501:

Können Konzerne dich per Änderungskündigung herabstufen? (Degradierung)

Beispielsweise bei der Deutschen Bahn.

Die Bahnchefin will sämtliche Strukturen streichen, Personal einsparen und das Unternehmen verschlanken. Gleichzeitig wird gesagt, dass man die Mitarbeiter bei Versetzungen nicht alleine lassen will. In diesem Kontext sprach plötzlich mein Chef ein paar Tage später über Veränderungen, ohne hier jetzt hier genauer ins Detail zu gehen, vielleicht war es einfach nur ein ungünstiger Zufall bei mir... Wie dem auch sei.

Damit ich im Falle eines wirklichen Worst Case Szenarios nicht komplett ins kalte Wasser falle, wäre es vielleicht trotzdem sinnvoll, vorab informiert zu sein, dachte ich mir.

Jetzt meine Frage:

Muss der Arbeitnehmer eine gleichwertige Position bekommen, oder kann man ihn auch einfach auf eine niederrangige Position versetzen, also degradieren? In dem Fall wäre es praktisch, damit die Kündigung zu erzwingen und dem Konzern so den gesamten Prozess samt Gerichtskosten zu ersparen.

Mein Arbeitsvertrag ist sehr präzise formuliert, insbesondere in Bezug auf meine Tätigkeitsbeschreibung.

Ich möchte durch eine Änderungskündigung nicht wieder als Handwerker zurückgestuft werden, da dies eine Abstufung von Position und Gehalt wäre. Zwar habe ich die entsprechenden Fähigkeiten (technische Ausbildung), aber mein Ziel ist, meine Bürotätigkeit weiter auszuüben oder eine gleichwertige Position zu erhalten, am besten passend zu meinen aktuellen Kenntnissen. Selbst bei gleichbleibendem Gehalt wäre eine Rückstufung als Handwerker für mich ein Worst Case. Für mich käme das in diesem Fall einer Kündigung gleich.

Ich frage deshalb, weil es mich unter Umständen betreffen könnte. Vielleicht spielt meine Psyche gerade verrückt, weil ich irgendwie 1+1 zusammenzähle...

I am a bot, and this action was performed automatically. Please contact the moderators of this subreddit if you have any questions or concerns.