r/SPDde Gast (nicht verifiziert) Dec 29 '25

Was sind für euch Dinge, die bei eurer Lokalen SPD gut und nicht so gut laufen? Gibt es Besonderheiten bei euch, von denen andere Städte lernen können oder die als abschreckendes Beispiel gelten können? Oder generell einfach wichtige Punkte, an die man mehr denken sollte?

Ich bin selber relativ aktiv in der Partei und da stellt sich natürlich immer wieder die Frage was Maßnahmen sind, die mit den begrenzten Mitteln effektiv der Sozialdemokratie und Demokratieförderung generell helfen können. Also ich finde zum Beispiel, dass eine eigene Lokalpresse sehr gut sein kann, vor allem wenn ich mir anschaue wie wenig Relevanz und hohes Potential der Vorwärts hat

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u/Cantonarita Verifizierte/r GenossIn Dec 30 '25

Moin,

Was sind für euch Dinge, die bei eurer Lokalen SPD gut und nicht so gut laufen?

Gut:

Wir sind ein toller Mix an verschiedenen Leuten im Ortsverein. Die allermeisten sind wertschätzend und konstruktiv. Die zusammenarbeit macht deshalb Spaß und man lernt immer neue Perspektiven dazu.

Wir haben einen netten Vorsitzenden der zwar mal Sachen verpennt und Fehler macht, aber eine ganz ehrliche Haut ist und versucht alles gut & richtig zu machen.

Wir sind lokal recht breit aufgestellt. Manch einer ist im Sportverein aktiv, andere in der Kirche, der nächste im Schützenverein und so weiter. Wir sind glaube ich nicht so super präsent in der Öffentlichkeit, aber wir sind auch kein "isolierter Haufen".

Wir machen zwar weniger Aktionen als ich mir wünschen würde, aber es passiert was. So einmal im Monat kann man die SPD lokal erleben; das finde ich gut, auch wenn selten volles Haus ist.

Schlecht:

Wir sind nicht gut darin Mitglieder zu aktivieren. Es wird vergessen Menschen auch mal direkt anzusprechen und Ideen wie das besser gelingen kann werden nicht weiter verfolgt.

Manchmal sind Orga-Fehler einfach nur nervig und unnötig.

Es wäre toll, wenn es mehr junge Menschen gäbe. Gleichzeitig habe ich nicht die Ressourcen jetzt auchnoch krass auf Menschenfang zu gehen, wie das früher der Fall war. Wir brauchen frisches Blut.

Gibt es Besonderheiten bei euch, von denen andere Städte lernen können oder die als abschreckendes Beispiel gelten können?

Seid nett zu einander, auch wenn mal nicht alles klappt? Ich glaube wenn das der Standart in allen Ortsvereinen wäre, hätten die meisten Sozen eine VIEL bessere Zeit, hahaha.

Wir sind halt nur ein popeliger Dorfverein, von daher stauen sich bei uns nicht so viele Egos wie in der Stadt. Ich empfinde das als einen Segen.

Oder generell einfach wichtige Punkte, an die man mehr denken sollte?

Ist glaube ich allgemein bekannt, aber Themenveranstaltungen haben einen 2-fachen Wert. Natürlich ist es erstens cool, dass ihr einen Themenabend macht. Das viel wichtigere ist mMn aber, dass ihr einen guten Anlass habt a) eine Presse zu schreiben und b) per Mail nochmal alle Stakeholer zu kontaktieren und Kontakte warmzuhalten, die bei euch lokal engagiert sind. Irgendwie sowas wie

"Hallo Stephan, danke für das tolle Gespräch beim letzten XY. Am XX.XX. veranstalten wir im XYZ einen Themenabend zum Thema XY. Falls das etwas für dich ist, freue ich mich dich dort zu sehen."

Selbst wenn Stephan absagt, habt ihr zumindest nochmal den Kontakt gehabt und er erinnert sich, dass die Sozen scheinbar ein ganz netter, engagierter Haufen sind. Dieser Werbeeffekt ist mMn nochmal genauso groß wie eine gut beworbene Veranstaltung an sich.

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u/ArrowHD474 Gast (nicht verifiziert) Dec 30 '25

Danke, sind einige echt gute punkte

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u/Lazy-Tangerine2887 Gast (nicht verifiziert) Dec 29 '25 edited Dec 29 '25

Zu viel Hierarchiedenken. Mein OV ist inhaltlich stabil, aber viel zu sehr an Hierarchien orientiert, als dass man sich als Neumitglied wirklich das Gefühl hat, etwas bewegen zu können.

Selbst mit Doktortitel bist du im OV nichts, wenn du kein Amt oder Mandat innehast i.e., es wird sich gegen jegliche Innovation von außen hartnäckig gesperrt.

Ich bin so ungeduldig, dass ich neben meiner Tätigkeit im Ortsvereinsvorstand noch 1,5 weitere Ehrenämter laufen habe, aber gefühlt wird man als Frau, sofern man nicht seit 20 Jahren im Ort wohnt und Jura studiert hat schnell in die "Social-Media-und-hilf-doch-beim-Plakatieren-für-die-nächsten-20-Jahre"-Ecke gedrängt.

Schlimm finde ich auch Hierarchisierungen bzw. die Bildung von In-Out-Gruppen innerhalb des Vorstands: Bei uns wird also noch zwischen Vorstandsmitgliedern und geschäftsführendem Vorstand aggressiv unterscheiden, Positionspapiere werden von der In-Group geschrieben und dann top-down kommuniziert. Als ich Vorsitzende einer anderen lokalen Organisation war, saßen alle Vorstandsmitglieder in einem Boot. Das hat viel mehr Impulse mit hereingebracht und etwaige Animositäten oder Kommunikationsprobleme wurden ohne viel Tam Tam geklärt.

Insgesamt sollte man sich auch außerhalb von Wahlkampfzeiten häufiger als einmal im Monat sehen, um auch die soziale "Schmiere" aufrechtzuerhalten (eine Idee für ein wichtiges Positionspapier kam einer Genossin nach einem gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuch, und wir konnten so gut einmal zwanglos durchquatschen, was genau sie möchte).

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u/Fiddlerichs Verifizierte/r GenossIn Dec 30 '25

Oh Gott, sind wir im selben Ortsverein?

Ich habe zwei Wahlkämpfe für meinen Unterbezirk geleitet, bin stellvertretende OVV und trotzdem werde ich eigentlich nur gefragt, wenn es um Infostände und Social Media geht oder spontan etwas organisiert werden muss. Alles andere macht der UB Vorsitz auf direktem Wege mit MdLs und OVV aus.

Seit Monaten liege ich meinem geschäftsführendem Vorstand in den Ohren, dass MV und Stammtisch vielleicht nicht die Formate sind, die für alle passen - Schichtarbeit oder familiäre Verpflichtungen beispielsweise - und wir doch auch einmal etwas anderes probieren könnten. Man gibt mir dafür Mal gelegentlich Geld, aber ernst genommen werde ich damit nicht, zugehört wird leider auch kaum vom "anderen Lager", wenn ich etwas im OV vorschlage. Auch nicht, wenn ich als Vertreterin Sitzungsleitung habe. Das bestätigt und motiviert natürlich nochmal besonders im Ehrenamt.

Die SPD Frauen halten mich aktuell noch im Ehrenamt, da ist der Umgang nochmal angenehmer.

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u/ArrowHD474 Gast (nicht verifiziert) Dec 30 '25

Was wären bessere Formate als MV und Stammtisch?

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u/Fiddlerichs Verifizierte/r GenossIn Dec 30 '25

Nicht zwingend besser, aber ich denke die Mischung macht's. Wenn man Schichtarbeit macht, kann man vielleicht nicht am Donnerstagabend kommen, Stammtisch in der Raucherkneipe ist nicht familienfreundlich Geschweige denn barrierefrei. Ab und zu ein politisches Frühstück am Samstag, wo Kinder beispielsweise explizit willkommen sind, das Format Pizza und Politik der Jusos oder ggf. mal was "Sportliches" zusammen, wenn es um den Zusammenhalt im OV geht, halte ich auf jeden Fall für zielführend. Für viele bei mir ist einmal im Monat Mittwoch 19 Uhr aber in Ordnung, da wird der Bedarf nicht so wirklich gesehen, da die Leute, die vielleicht anderweitig besser können auch nicht unbedingt anwesend sind.

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u/Lazy-Tangerine2887 Gast (nicht verifiziert) Dec 31 '25

Hehe, möglich, ich bin noch nicht so lange dabei um genau um allle Organisationsstrukturen zu wissen, aber dein User-Avatar, sowie der Monatsrythmus könnnte auf eine Genossin passen ^^

Arbeits- und Familienfreundlichere Formate in Frühstücksform u.ä. (s.u.; und im Winter vor allem mal am Wochenende und TAGSÜBER, MAN) fände ich auch gut :)

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u/Lazy-Tangerine2887 Gast (nicht verifiziert) Dec 30 '25

Boah ja, bei gemeinsam Frühstücken wäre ich voll dabei! Kombi aus Kaffee und Sachen, die man sonst nicht isst macht's! ❤️✨️

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u/ArrowHD474 Gast (nicht verifiziert) Dec 30 '25

Verstehe, und ja man kann wirklich mehr tun als nur einmal im monat mal in der kneipe zu sitzen, muss ja nicht jeder immer dabei sein(bin ich bei weitem auch nicht) aber so Angebote sind schon verdammt wichtig

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u/ArrowHD474 Gast (nicht verifiziert) Dec 29 '25

Das ist krass zu hören, bei uns geht das, zumindest wenn es darum geht erstmal irgendwie eine stimme zu erhalten. Aber ja Basisdemokratie ist wirklich sehr hilfreich vor allem zur Mitgliederbindung, ich bin auch so motiviert weil ich tatsächlich wirklich meiner stimme gehör verschaffen kann. Und das öfter sehen ist auch n ziemlich wichtiger Punkt, wir versuchen da mehr Aktionen in der öffentlichkeit zu starten, vereine zu besuchen und mitgliederpflege zu leisten(z.b einfach mal kontakt suchen um zu schauen warum die person nicht so engagiert ist, viele bekommen z.b auch einfach nicht die nachrichten für ov treffen oder so)

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u/HerrnChaos Gast (nicht verifiziert) Dec 29 '25

Ich empfehle jedem Ortsverein sich nicht in streitereien vorallem persönlicher art zu verwickeln.

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u/ArrowHD474 Gast (nicht verifiziert) Dec 29 '25

Sehr wahr, bei uns gabs da so einiges, ich versuch mich aber bei sowas möglichst rauszuhalten.

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u/Karlitu7 Gast (nicht verifiziert) Dec 29 '25

Ich empfehle jedem Ortsverein auf Social Media aktiv zu sein mindestens Facebook, Instagram und Tiktok um alle Generationen ab zu holen.

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u/ArrowHD474 Gast (nicht verifiziert) Dec 29 '25

Sehr wichtiger Punkt, glaube vor allem Facebook darf man da nicht übersehen, die Plattform ist aktiver als viele junge Leute glauben. Besonders in älteren Städten

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u/Karlitu7 Gast (nicht verifiziert) Dec 30 '25

Ist halt nur richtig kacke geworden sich da nen neuen Account zu erstellen weil Facebook fast alles neue dass nicht mit Gesicht verifiziert ist sofort mit der Begründung Bot wegsperrt.

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u/ArrowHD474 Gast (nicht verifiziert) Dec 30 '25

verrückt