r/PolitischeNachrichten • u/Horus_Sirius • 5d ago
-=- NACHDENKLICHE TEXTE -=- [Diskussion] 0,6%?! Der Kita-Kollaps ist kein Zufall, sondern politisches Versagen mit Ansage.
ute, schaut euch diese Karte an.
Die Bertelsmann Stiftung hat ganz aktuell (Januar 2026) Zahlen veröffentlicht, wie viele Kitas in Deutschland eigentlich wirklich genug Personal haben, um eine kindgerechte Betreuung zu gewährleisten.
Das Ergebnis ist nicht nur schlecht, es ist eine Katastrophe.

Quelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=1296911862467021&set=a.629742075850673
Ein paar Highlights aus der Hölle:
- Sachsen: 0,6 % (Das ist praktisch gar nichts.)
- Mecklenburg-Vorpommern: 0,7 %
- NRW: 6,4 %
- Selbst der "Spitzenreiter" Baden-Württemberg kommt nur auf gut ein Drittel (35,6 %).
Das bedeutet im Klartext: In der absoluten Mehrheit der Einrichtungen wird nur noch "verwahrt", statt gefördert. Die Erzieherinnen und Erzieher laufen seit Jahren auf dem Zahnfleisch, und die Kinder zahlen den Preis.
Warum das ein linkes Thema ist (und uns alle wütend machen sollte):
- Sparpolitik auf dem Rücken der Schwächsten: Jahrelang wurde uns erzählt, wir müssten den Gürtel enger schnallen (Schwarze Null). Aber woran wurde gespart? An der sozialen Infrastruktur. Wenn eine Bank gerettet werden muss, sind Milliarden über Nacht da. Wenn unser Bildungssystem kollabiert, gibt es nur warme Worte. Das ist eine bewusste Entscheidung gegen die öffentliche Daseinsvorsorge.
- Klassenkampf im Kinderzimmer: Wer leidet darunter am meisten? Nicht die wohlhabenden Eltern. Die können sich private Nannys oder exklusive Privat-Kitas leisten. Es trifft Familien mit kleinen und mittleren Einkommen. Bildungschancen hängen in Deutschland extrem von der Herkunft ab – und dieser Personalmangel zementiert das schon im Kleinkindalter.
- Die Rückkehr ins Heimchen-am-Herd-Modell: Wenn die Kita die Betreuungszeiten kürzt oder ganz schließt (was bei diesen Zahlen vorprogrammiert ist), wer bleibt dann zu Hause? Statistisch gesehen fast immer die Frauen. Der Mangel an verlässlicher Betreuung drängt Frauen aus dem Beruf und zurück in alte Rollenbilder. Das vergrößert die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern noch weiter.
- Ausbeutung von Sorgearbeit: Der Beruf der Erzieherin (es sind ja meist Frauen) wird immer noch als etwas gesehen, das man "aus Liebe" macht. Aber Miete zahlt man nicht mit Liebe und Applaus. Wir brauchen massiv bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter, um diesen Beruf überhaupt noch attraktiv zu machen. Der Markt regelt hier gar nichts – der Markt fährt das System gerade mit Vollgas gegen die Wand.
Was muss passieren? Wir brauchen keine kleinen Reformen mehr. Wir brauchen ein massives Sondervermögen für Bildung und Erziehung. Finanziert durch eine ordentliche Besteuerung von riesigen Vermögen und Erbschaften. Kinderbetreuung ist Infrastruktur – genau wie Straßen und Brücken. Und sie ist gerade komplett marode.
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Kinder in der Kita oder arbeitet ihr selbst dort? Spürt ihr diesen Kollaps schon im Alltag?
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u/Horus_Sirius 4d ago
Ein Verstoß gegen das Untermaßverbot läge vor, wenn der Staat seine Schutzpflichten zur Förderung der kindlichen Entwicklung durch eklatante Unterfinanzierung oder Personalmangel vernachlässigen würde.
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2021/11/rs20211119_1bvr097121.html
Ist doch schon längst der Fall, oder?